Mensch und Macht

Inhaltsverzeichnis

1 Mensch und Macht 1

1.1 Einleitung 2

1.2 Definitionen 3

1.2.1 Machtwille 3

1.2.2 Machtobjekt 3

1.2.3 Übertragung 3

1.2.4 Fixierung 3

1.2.5 Superobjekt 3

1.2.6 Machtneurose 3

1.3 Vergleich der Phänomene 3

1.3.1 Tabelle 3

1.4 Folgerungen 4

1.4.1 Lebenslauf 4

1.4.2 Individuelle und ethnische Unterschiede 4

1.4.2.1 Machtstrukturen 5

1.4.2.2 Die Macht des Geldes 5

1.4.2.3 Priesterliches Ornat 6

1.4.3 Die Arroganz der Macht 6

1.4.3.1 Die Atombombe 7

1.4.3.2 Nordkorea und China 8

1.4.3.3 Russland 8

1.4.4 Machtwille und Aggressionstrieb 9

1.4.5 Sublimierung 9

1.4.5.1 Ist die Hypothese geeignet, eine Ethik zu begründen? 9

1.4.5.2 Positive und negative Machtausübung 10

1.4.6 Übertragung und abnormale Machtobjekte 10

1.4.6.1 Das Auto als Machtobjekt 11

1.4.6.2 Der Jagdfalke als Machtobjekt, Superstars 12

1.4.6.3 Sammel- und Putzwut 12

1.4.7 Fixierung 13

1.4.8 Superobjekte 13

1.4.8.1.1 Epheser 5:21 ff 14

1.4.8.1.2 Joseph Haydn, Die Schöpfung 15

1.4.8.1.3 Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Die Reden Zarathustras, Von alten und jungen Weiblein 15

1.4.9 Verdrängung 16

1.4.9.1 Zwangsneurose 16

1.4.9.2 Pädophilie 16

1.4.9.3 Inzest 17

1.4.9.4 Amokläufer 18

1.4.9.5 Selbstmord-Attentate 18

1.4.10 Schmerz durch Machtverlust, Lärm 19

1.4.11 Der Tod 19

1.4.12 Literatur 19

06.12.10

1 Mensch und Macht

(Entwurf einer Enzyklopädie des Machtwillens)

© 2011 Wolfgang Baudisch

Abstract

Human being and power

(Approach to an encyclopedia of power instinct)

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) was the first one who focused on the ‘will to power’ in his posthumous work „Der Wille zur Macht“ (1886) and thus introduced this topic into depth psychology. Sigmund Freud (1856 – 1939) has dedicated all his life only to one topic: research of sexual drive. Thus, he opened the door to a new sight on human being and founded psychoanalysis. One of his most famous papers is ‘Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie’ (Wien, 1905). However, later Freud assumed the existence of a second instinct, the so called ‘Todestrieb’ (death instinct). I strictly deny the existence of this instinct. Furthermore, I deny the existence of sexuality in early childhood, what assumption is used by Freud as the foundation for all of his theories. Modestly, I want to combine these theories both by showing the striking similarities between sexual drive and power instinct. Both instincts are controlling human behavior in a very different way, but almost 99 percent of all behavior can be interpreted and shown to be motivated by these two basic instincts, even when they appear to be irrational or inconceivable. This thesis is only an assumption, as depth psychological theories can neither be proofed or rejected by experiment, genetic, nor by neurological research. In this sense, it is not a scientific paper.

Note: The full text is available yet only in German language on the following page:

http://wolfgang66.wordpress.com/2011/02/11/vom-%e2%80%9ewillen-zur-macht%e2%80%9c-zum-machtwillen/

1.1 Einleitung

Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) hatte im Jahr 1886 (erst posthum veröffentlicht) mit seinem Werk „Der Wille zur Macht“ den „Willen zur Macht“ als erster thematisiert und damit in die Tiefenpsychologische Forschung eingeführt. Sigmund Freud (1856 – 1939) hat sein gesamtes Lebenswerk nur einem Thema gewidmet, der Erforschung des Sexualtriebes und damit die Tür zu einer neuen Sichtweise auf den Menschen geöffnet, sowie die Psychoanalyse begründet. Eines seiner berühmtesten Schriften sind die „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ (Wien, 1905). Freud hatte allerdings später die Existenz eines zweiten Triebes, des „Todestriebes“ angenommen, dessen Existenz ich hiermit entschieden bestreiten möchte. Genauso bestreite ich die Existenz einer „frühkindlichen Sexualität“, die bei Freud zur Grundlage seines gesamten Werkes gehört.

Ich möchte mit angemessener, ganz großer Bescheidenheit beide genannten Theorien zusammenführen, in dem ich die geradezu „ins Auge springenden“, frappierenden Parallelen zwischen dem Sexualtrieb und dem Machtwillen aufzeige. Beide Triebe haben auf sehr unterschiedliche Weise das zwischenmenschliche Verhalten zum Ziel. In der Tat ist es so, dass man fast 99 Prozent aller menschlichen Verhaltensweisen, auch wenn sie noch so unverständlich erscheinen mögen, allein durch die Hypothese dieser zwei „Urinstinkte“ des Menschen erklären und plausibel machen kann. Es ist und bleibt eine Hypothese, denn Tiefenpsychologische Phänomene lassen sich, zumindest bis jetzt, nicht durch gesicherte Experimente, genetische oder neurologische Forschungen beweisen oder widerlegen. Damit handelt es sich im Sinn von Karl Popper nicht um „wissenschaftliche Aussagen“. Am ehesten könnte die Verhaltensforschung oder die Paläoanthropologie diese Hypothese widerlegen.

Zunächst möchte ich nur zum Zweck der leichteren sprachlichen Beschreibung die folgenden Fachbegriffe definieren:

1.2 Definitionen

1.2.1 Machtwille

ist der „Wille zur Macht“ als angeborener Urinstinkt des Menschen.

1.2.2 Machtobjekt

ist das Triebobjekt, auf das sich der Machtwille richtet. Die Bezeichnung erfolgt in Analogie zum bekannten Begriff des Sexualobjektes.

1.2.3 Übertragung

ist der Wechsel des Machtobjektes.

1.2.4 Fixierung

ist die Unfähigkeit eines Menschen, den Machtwillen auf ein anderes Machtobjekt zu übertragen. Der Begriff „Fixierung“ ist nicht neu, aber gewinnt in diesem Kontext eine zusätzliche Bedeutung.

1.2.5 Superobjekt

Ist ein Objekt das gleichzeitig Sexualobjekt und Machtobjekt ist.

1.2.6 Machtneurose

Eine Machtneurose ist ein krankhaftes Fehlverhalten, das durch die Hemmung des Machtwillens und eine dadurch ausgelöste Verdrängung ins Unterbewusstsein verursacht wird.

1.3 Vergleich der Phänomene

1.3.1 Tabelle

Mit den genannten Definitionen ist es nun möglich, die Grundphänomene in einer kurz gefassten Übersicht einander gegenüber zu stellen. Die genauen Begründungen und einige Folgerungen daraus folgen weiter unten.

Sexualtrieb Machtwille
Sexualobjekt Machtobjekt
Fixiertes Sexualobjekt = Fetisch Machtfetisch
Ersatzobjekt Ersatzobjekt
Superobjekt Superobjekt
Perversion Perversion
Lustgewinn durch Trieberfüllung Lustgewinn durch Trieberfüllung
Nymphomanie Machtbesessenheit
Sublimierung → Kunst Sublimierung → Wohltätigkeit
Verdrängung, Neurose Verdrängung, Zwangsneurose, Machtneurose

Nach dieser tabellarischen Übersicht sollen nun ausführliche Begründungen folgen.

1.4 Folgerungen

1.4.1 Lebenslauf

Im Leben des Menschen entwickelt sich zunächst nur der Machtwille. Freud irrte, als er dem Kleinkind einen Sexualtrieb andichtete. Erst in der Vorpubertät beginnt der Sexualtrieb sich zu entfalten und dann eine oft dominierende Rolle zu spielen. In den meisten Fällen erlischt im mittleren bis hohen Alter auch der Sexualtrieb, während der Machtwille praktisch bis zur letzten Sekunde des Lebens aufrecht bleibt. Sogar bei dementen oder körperlich absolut machtlosen Personen,den sogenannten „Pflegefällen“, deren Existenz nur durch die Hilfe der Mitmenschen aufrecht erhalten wird, ist dieser Instinkt noch vorhanden. Erst bei sehr schwerer Krankheit oder im Angesicht des Todes verlischt auch der Machtwille. Solche Menschen berichten im Fall einer Genesung, dass sie das Gefühl des totalen Loslassens, des Machtverlustes erlebt haben: „Mir war es ganz egal, was die Leute mit mir gemacht haben“.

1.4.2 Individuelle und ethnische Unterschiede

Obwohl Verallgemeinerungen im Bezug auf Völker und Rassen im Prinzip schädlich und irreführend sind, möchte ich es doch versuchend, die folgenden Aussagen zu machen, mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass es immer individuelle Abweichungen davon gibt.

Die Völker im Norden der Welt sind gekennzeichnet dadurch, dass bei ihnen der Sexualtrieb schwächer ist als der Machtwille und bei den Völkern in den südlichen und heißen Regionen ist es genau umgekehrt. Daher finden wir auch in Afrika Länder mit extrem hoher Geburtenrate, wohingegen die Bevölkerung im Norden bereits seit Oswald Spengler Angst hat, auszusterben.

Es ist meines Erachtens nicht so, dass dafür die sozialen und wirtschaftlichen Umstände ursächlich sind, sondern es ist die angeborene Triebstruktur der Menschen, die als primäre Ursache die Entstehung bestimmter sozialer Verhältnisse bewirkt.

Freud hat den Begriff des kulturellen Überbaues (4) verwendet, des „Über-ich“ das regulierend in das Triebleben eingreift und seiner Meinung nach hemmungslose Trieberfüllung verhindert. Wenn man nun aber zwei Urtriebe voraussetzt, den Sexualtrieb und den Machtwillen, so wird man feststellen, dass dieses Über-Ich im 19. Jahrhundert in Nordeuropa zwar den Sexualtrieb unter Kontrolle gehalten, aber dem Machtwillen zu einer geradezu explosiven Dominanz und hemmungsloser Entfaltung in der Politik verholfen hat. Ja, im krassen Gegensatz zur Freud’schen Theorie behaupte ich, dass die Triebe nicht von der Kultur unter Kontrolle gehalten werden, sondern dass sie es vielmehr sind, die jede Kultur formen und prägen! Dazu kommt natürlich, dass die Mittel, die zur Triebbefriedigung eingesetzt werden, immer von den technischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten abhängen. Der erste Weltkrieg mit seiner verheerenden Massenvernichtung war in dieser Form nur möglich durch die industrielle Produktion von Waffen und Vernichtungsmitteln im ganz großen Stil (z. B. Krupp-Stahl). Die noch größere Massenvernichtung, von der im zweiten Weltkrieg auch die Zivilbevölkerung ganzer Städte betroffen war, war nur möglich, durch die Entwicklung hoch technisierter Fahrzeuge, vor allem von Panzern, der Lieblingswaffe Adolf Hitlers, Flugzeugen und dem Transport großer Materialmengen durch die Eisenbahn. Der nächste, auch von Hitler begonnene Schritt war die Raketentechnik und darauf folgte die bereits am Ende des Weltkrieges durch Amerika eingesetzte Atombombe (vgl. Die Atombombe).

Eine große Zahl von Opfern in Kriegen ist nach diesen Erläuterungen kein Indikator für die Stärke des Machtwillens, sondern nur das Produkt der technischen Entwicklung. Als die Menschen noch mit Holzkeulen gegeneinander kämpften und so dem Machtwillen folgten, war dieser nicht stärker als bei einem General des Weltkriegs. Im ersten Fall war das Resultat des Machtwillens vielleicht ein Toter, im zweiten Fall eine halbe Million.

Nur wenn es gelänge, die Hypothese des Machtwillens zum Allgemeingut, auch gerade bei den mächtigen Führern in Politik und Wirtschaft zu machen, und als innere Triebkraft des Handelns zu entlarven, könnten vielleicht solche unheilvollen Auswirkungen verhindert werden. Während die Öffentlichkeit geradezu gebannt auf jede noch so kleinste sexuelle Verfehlung der Machthaber starrt, bemerkt sie nicht die viel wichtigeren Auswüchse eines maßlosen Machtstrebens über Mitmenschen und die Natur. Eine Gesetzgebung, die primär auf die Kontrolle und Reduzierung der Macht in Politik und Wirtschaft zielt, wäre das oberste Gebot der Stunde. In der Demokratie gibt es zwar gute Kontrollmechanismen, aber diese sind noch nicht ausgereift und leider oft Opfer eines raffinierten Missbrauchs.

15.02.11

1.4.2.1 Machtstrukturen

Jedes Teamwork verlangt eine genau dosierte Aufgaben- und Machtverteilung, egal ob diese Verteilung nur gespürt oder durch eine festgelegte Rangordnung manifestiert ist. Ein Team ist eine Gemeinschaft von Menschen, die ein gemeinsames Ziel in der optimalen Weise realisieren wollen. Wenn eine Gruppe von Steinzeitjägern auf die Jagd ging, gab es bereits Teamwork. Einige werden als schnelle Läufer, als Blasrohrschützen, als Nahkämpfer mit der Steinaxt und so weiter am besten zum Erfolg beitragen können. Diese Art der Aufgabenteilung hat sich als effizienter erwiesen, als wenn alle gleiche Befugnisse und Aufgaben erfüllen würden. Sogar im Tierreich gibt es Gruppen oder Rudel mit genau festgelegten Hierarchien. Die höchste Form der Teamarbeit stellt vielleicht ein Sinfonieorchester dar. In der Musik sind die Aufgaben, die jeder einzelne zu erfüllen hat, ganz minuziös festgelegt und lassen relativ wenig individuelle Freiräume offen. Die individuellen Möglichkeiten dann noch zum absoluten Höhepunkt zu steigern ist die Leistung eines großen Dirigenten. Die großartige Wirkung der Orchestermusik ergibt sich aus einer unendlichen Harmonie, die sich aus dem streng geordneten Zusammenwirken einer großen Vielfalt von einzelnen Stimmen und Klängen ergibt.

Eine Armee kann nicht ohne genau festgelegte Machtstrukturen funktionieren. Ein Kraftfahrer darf nicht beliebig sein eigenes Tempo wählen und damit einen Marschverband sprengen. Das Militär hat die am deutlichsten sichtbare Machtstruktur unter allen Organisationen. Bereits an der Kleidung oder zumindest an darauf angebrachten Rangabzeichen ist die genaue Machtbefugnis eines Soldaten abzulesen. Oft erscheinen diese Rangabzeichen wichtiger als deren Träger, dessen Person erst in zweiter Linie wahrgenommen wird. Aber gerade hier ist die Verknüpfung von Macht und Verantwortung so wichtig wie sonst nirgends. Der gute Militärführer versucht nämlich, in großer Verantwortung für das Land und seine Menschen, militärische Ziele mit den geringsten Verlusten an Menschen und Material zu erreichen. Ein Führer, der ganze Armeen in einem hoffnungslosen Stellungskrieg verheizt, nur um eine unhaltbare Stellung nicht aufgeben zu müssen, wird dieser Verantwortung bestimmt nicht gerecht. Ob ein Feldherr genial ist oder nicht, zeigt sich nicht an seinen Siegen, sondern an seinen Niederlagen. So betrachtet war zum Beispiel Erwin Rommel meiner Meinung nach genial, denn er hat Stellungen sogar gegen den ausdrücklichen Führerbefehl aufgegeben.

Im Wirtschaftsleben sind Machtstrukturen ebenso erforderlich, werden aber nicht demonstrativ zur Schau gestellt, sondern bleiben meist dezent im Hintergrund. Macht ist dabei auf das engste verbunden mit finanziellem Erfolg oder Misserfolg. Dies soll im nächsten Abschnitt genauer beleuchtet werden.

1.4.2.2 Die Macht des Geldes

„Geld regiert die Welt“. Dieses bekannte Sprichwort sagt, dass Geld ein sehr populäres, wenn nicht überhaupt das wichtigste Machtobjekt ist, das es gibt. Geld hat nicht nur eine wirtschaftliche Bedeutung, sondern noch viel mehr eine psychologische als Machtobjekt, also unabhängig vom Nutzen als Zielobjekt des Machtwillens, dessen Besitz eine innere Befriedigung und ein Glücksgefühl gibt. Es hat nicht nur die Eigenschaft, dass sich Geld ganz genau messen lässt, es kann auch in jeder beliebigen Größe erworben werden und dient damit in gleicher Weise dem Machtwillen des Hilfsarbeiters wie dem des Multi-Milliardärs.

Wenn man annimmt, dass Geld nicht nur eine praktische Funktion für die Wirtschaft hat, sondern zugleich ein Machtobjekt ist, ergibt sich daraus eine Erklärung für die Tatsache, dass Geld nicht nur in einem wirtschaftlich vernünftigen Maß angesammelt wird, sondern darüber hinaus, sofern es möglich ist in einem jede praktische Vorstellung übersteigendem Ausmaß erworben und vermehrt wird, das weit über die von einem Menschen nutzbare Menge an Geld hinausgeht. Immer wenn ein Machtobjekt erworben oder eingesetzt wird, resultiert daraus eine Trieberfüllung, die von einem intensiven Lusterlebnis belohnt wird. Daher wird das Machtobjekt unabhängig von der praktischen Notwendigkeit nur zur Lustbefriedigung immer weiter so weit es geht erworben. Für dieses Streben gibt es keine natürliche Obergrenze. Um dieses Streben nach Geld weiter zu unterstützen, wurden besondere Techniken entwickelt, die das Geld durch symbolische Anteile an Wirtschaftsgütern ersetzen und die in noch stärkerem Maß Reichtum durch Gewinne auf Grund von Spekulation mit Geldanlagen zulassen. Das ist die Grundidee hinter dem Kapitalismus. Ein Kapitalismus ohne den Machtwillen wäre nicht funktionsfähig. Erst das durch ihn verursachte Streben nach unbegrenztem Reichtum ist der Motor, der den Kapitalismus am Leben hält. Es soll nicht verschwiegen werden, dass mit der Möglichkeit unbegrenzt großer Gewinne auch das Risiko von großen Verlusten bis hin zum totalen Untergang verbunden ist.

Die Kritik am Kapitalismus gründete sich bisher hauptsächlich auf Neid. Die hier vorgetragenen Überlegungen lassen aber eine wesentlich schärfere Kritik zu: es wird nämlich aufgezeigt, dass der Kapitalismus in seinen tiefenpsychologischen Wurzeln nur die bis zum äußersten Exzess hypertrophierte Realisation des Machtobjektes „Geld“ darstellt.

1.4.2.3 Priesterliches Ornat

In aller Welt tragen religiöse Würdenträger Uniformen (Ornat, Habit). Diese dienen nicht nur als Berufsbekleidung, wie z. B. der weiße Mantel von Ärzten oder der schwarze Anzug von Kaminkehrern, sondern vielmehr als offen sichtbare Anzeichen für übernatürliche Macht, also eine besondere Nähe zur Gottheit. Eine geradezu militante und auf keinen nur denkbaren Pomp verzichtende Pracht entfaltet hier die katholische Kirche bei der Hierarchie ihrer Ornate.

1.4.3 Die Arroganz der Macht

Es müsste beispielsweise verhindert werden, dass ein einzelner Mensch in wenigen Jahren oder Monaten ein Vermögen von mehreren Milliarden Dollar erwirbt und damit eine gigantisch große wirtschaftliche Macht. Eine Organisation wie WikiLeaks führt uns vor, wie es möglich ist, die Arroganz der größten Wirtschaftsmächte und Unternehmen und deren geheime Machtmachenschaften öffentlich anzuprangern. Ja ich gehe sogar so weit, zu fordern, dass WikiLeaks oder etwas ähnliches als legale Einrichtung der Demokratie einzurichten wäre. Schon Jacques Offenbach hat in seiner Operette „Orpheus in der Unterwelt“ die „öffentliche Meinung“ als eigene Person auftreten lassen und damit ein unterhaltsames Musterbeispiel von wirksamer Machtkontrolle gegeben.

Auch in der Demokratie mit den seit der Französischen Revolution 1792 eingeführten Grundsätzen kommt es immer öfter vor, dass sich die gewählten Politiker nicht um die Meinung des Volkes kümmern und auf Grund ihrer parlamentarischen Mehrheit weltfremde Ziele und Projekte durchsetzen wollen. Wer große Macht besitzt wird leicht in Versuchung kommen, der „Arroganz der Macht“ zu erliegen. Es sei hier nur an das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ erinnert, bei dem es trotz eines sehr breiten Protestes und eines medienwirksamen Schlichtungsverfahrens noch nicht gelungen ist, die Mächtigen zur Vernunft zu bringen. Der französische Politiker Stéphane Hessel hat mit seinem Buch „Indignez-vous!“ (1) zum geistigen Widerstand gegen die Arroganz der Macht aufgerufen und zumindest in Frankreich große Resonanz gefunden.

1.4.3.1 Die Atombombe

Quelle:

Di, 21. Dez · 08:15-09:00 · PHOENIX

Welterbe Japan – Itsukushima, Kyoto und Hiroshima

Kurzbeschreibung

Zur Erinnerung und Mahnung – Japanisches Welterbe – Thema: Kamikaze und Kirschblüte – Nippon – unterwegs im Land der Kon

Beschreibung

Shintoismus und Zen-Buddhismus, die beiden großen Religionen Japans, treffen auf der Insel Itsukushima (Miyajima) zusammen. Der Schinto-Schrein von Itsukushima, auf Pfählen in den Uferschlamm gebaut, mit seinem großen roten Tor, das im Wasser weit vor der Insel steht, ist eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Japans. In alter Zeit durfte Itsukushima nicht betreten werden, denn alles an der Insel gehörte den Göttern – oder war selber Gott. So glaubten es die Anhänger des Schinto, der alten Ahnen- und Naturreligion. Um so mehr fühlten andere sich gedrängt, ihren Fuß auf die Insel zu setzen, vor allen vielleicht der buddhistische Mönch Kukai, der Itsukushima im Jahr 806 auf dem Wege von China nach Kyoto aufsuchte. Er entzündete ein Feuer auf dem Gipfel des Bergs Misen und kochte Wasser in einem großen eisernen Topf. Seither haben seine Jünger das Feuer nicht ausgehen lassen und das Wasser immer nachgegossen. Mag sein, dass Kukai auf den Berg gestiegen war, um zu zeigen, dass es keine verbotenen Berge geben könne für die Jünger des Gautama Buddha, denn alles Irdische ist gleichviel wie nichts. Aber auch ihn wird die sprechende Natur dieser Insel nicht unberührt gelassen haben. Jeder Baum, jeder Stein scheint hier eine besondere Form zu haben. Nichts ist einfach nur da, alles scheint – erschaffen. Der Name Kyoto ruft Bilder herbei von einem Japan vor der Moderne. Rotgestrichene Shinto-Tore, Kimonos, Kirschblüte, alte Tempel, kahlgeschorene Mönche, Paläste der Kaiser, die tausend Jahre lang hier residierten, und Paläste der Shogune, die mit harter Hand regierten. Kyoto, denkt man, ist eine schöne alte Stadt. Man hätte es besser wissen können, sagt sich der Reisende: Kyoto ist eine moderne Großstadt, Millionenstadt, schlimmer – ein Häusermeer ohne Grenze zum benachbarten Osaka. Kein schöner Ort, wenn überhaupt ein Ort. Mitten in der Betonwüste jedoch, und an ihren Rändern, zu Füßen der die Stadt von drei Seiten zurückdrängenden Berge, hinter Mauern, liegen Inseln der Schönheit: buddhistische Klöster und ihre bis ins kleinste Detail gestalteten Gärten. Vollendete Form in einer chaotisch sich auftürmenden Stadt. Nichts ist hier dem Zufall überlassen, nichts einfach gewachsen – alles seit Jahrhunderten gestaltet. Ein Mönch mag sein Leben mit der Pflege eines Zen-Gartens verbringen. Und doch wird er immerzu bemüht sein, durch ihn hindurch zu schauen ins Nichts. Denn alle Erscheinungen sind leer. Japan hat ein besonderes Verhältnis zur Zeit. Tempo, Pünktlichkeit. Leistung ist Arbeit in der Zeit. Einmal blieb die Zeit stehen. Am 6. August 1945, um acht Uhr fünfzehn am Morgen. Abwurf der ersten Atombombe. Und als die Zeit stehengeblieben war und sich weiterbewegte, war das alte Japan untergegangen. Ein neues Zeitalter hatte begonnen, nicht nur für Japan. Aber in Japan ging alles schneller und rücksichtsloser. Seit 1996 gehört die Ruine der alten Industrie- und Handelskammer Hiroshimas zum Weltkulturerbe. Der Atombombendom. Eine kleine Ruine aus rostigem Stahl und bröckelndem Beton. Er ist das Wahrzeichen der Stadt Hiroshima. Ein seltsames Wahrzeichen in einer seltsamen Welt. Die USA waren gegen den Eintrag Hiroshimas in die Unesco-Liste. Sie rechtfertigen den Abwurf der Bombe bis heute. Hiroshima ist nach dem Krieg völlig neu erbaut worden und heute eine geschäftige Großstadt. Es gibt immer noch Atombombenopfer, aber man begegnet ihnen nicht. Sie leben zurückgezogen. Sie passen nicht recht in das moderne Japan. Dem Atombombendom gegenüber liegt der Friedenspark von Hiroshima. Einst ein gemütliches altes Viertel mit Holzhäusern, Winkelgassen und einem Tempel. Heute spannen sich die Flügel des Friedens-Gedächtnis-Museums über den Park. Verantwortlicher: Andreas Schmidt

Das Schrecklichste was auf der Welt passiert ist, war es dass alle Kinder vor den Augen ihrer Mutter in Sekunden verbrannt sind. Wenn man die Atombombe über Hiroshima sieht, dann lernt man wieder glauben, aber nicht an Gott, sondern an den Teufel!

Dennoch waren es Menschen, angefangen von den Geschwistern Curie über Albert Einstein bis zu Harry S Truman, die dieses infernalische Waffe ausgedacht, geschaffen und schließlich OHNE VORWARNUNG über den empfindlichsten Stellen des Kriegsgegners zum Abwurf gebracht haben. Eine in der Geschichte der Menschheit noch nie da gewesene Barbarei ungeheuren Ausmaßes wurde als „Rache für Pearl Harbour“ unter dem Vorwand, den Krieg schneller beenden zu müssen, begangen. Das Flugzeug „Enola Gay“ erhielt den Namen der Mutter des Piloten und die Bombe den Namen „Little Boy“, ein nicht mehr zu übertreffender Zynismus.

Wenn man die Hypothese annimmt, dass auch die historischen Kriegsexzesse und -Verbrechen nur eine extreme Folge des Machtwillens sind, so ergibt sich: es kann kein Volk und keine Rasse oder Epoche geben, in der solche Exzesse bevorzugt auftreten, nein – da ihre Ursache der angeborene im Grund der menschlichen Seele fest verankerte Machtwille ist, können sie immer wieder zu allen Zeiten und bei allen Völkern auftreten. Nicht die Hunnen, Barbaren, Amerikaner, Japaner, Deutschen, sondern der Mensch ist es, der solche grauenhaften Massaker veranstaltet, wenn er glaubt, unbegrenzte Macht über die Welt zu besitzen. Auch bei der Atombombe hat sich nicht die Bosheit des Menschen gesteigert, sondern nur die technischen Mittel zur Durchsetzung des Machtwillens sind noch perfekter geworden, als sie es etwa in der Steinzeit mit Steinkeulen und Wurfspeeren waren.

Die Frage bleibt ungelöst und unlösbar: wer oder was treibt die Menschen in diesen Wahnsinn?

1.4.3.2 Nordkorea und China

Nordkorea ist ein Beispiel dafür, wie der Machtwille eines größenwahnsinnigen Familien-Clans ein ganzes Land in den Abgrund und die Welt an den Rand eines neuen Atomkriegs treiben kann. Das erstaunliche daran ist, dass der Machtwille der Führung nicht nur diese selbst berauscht, sondern sogar die hunger leidende Bevölkerung so fasziniert, dass sie den Wahnsinn mit großer Begeisterung unterstützt. Wenn es nicht so wäre, könnte sich das Regime keinen Tag an der Macht halten.

China ist wiederum ein Beispiel für die Arroganz der Machthaber, die auch nicht die geringste Form von Opposition und Kritik dulden, ja sogar wie im Fall des chinesischen Friedensnobelpreisträgers den diplomatischen Konflikt mit der gesamten zivilisierten Welt nicht scheuen.

1.4.3.3 Russland

Die sozialen Verhältnisse die es seit Jahrhunderten in Russland unter der Zarenherrschaft gegeben hat, waren ein Sprengstoff, der die Oktoberrevolution geradezu erzwungen hat. Inzwischen ist aber der Kommunismus, die „Diktatur des Proletariates“, von einer Demokratie nach russischer Art abgelöst worden: Eine ganz kleine Clique von Oligarchen und Parteibonzen besitzt die gesamte Macht und den Reichtum des Landes, während die große Mehrheit der Bevölkerung recht- und besitzlos ist.

Damit sind die sozialen Verhältnisse in Russland praktisch die gleichen wie vor der Revolution. Es scheint also so zu sein, als ob es gar nicht darauf ankomme, welches politische System, Monarchie, Diktatur oder Demokratie in einem Staat herrscht, sondern vielmehr darauf, ob die Bevölkerung auf Grund ihrer Intelligenz und Mentalität zu einem vernünftigen Umgang mit der Macht geeignet ist, oder nicht.

Obwohl die Theorie des Kommunismus hauptsächlich in Deutschland ausgearbeitet worden ist, konnte sich dieser in der Praxis dort nie wirklich durchsetzen. Der Kommunismus hatte ursprünglich als Ideal die Abschaffung jeglicher Macht in der Gesellschaft zum Programm gehabt. Rosa Luxemburg, die große Pazifistin, hat dies so definiert: „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ oder nach anderen Quellen: „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern.“

Warum muss der Kommunismus mit seinem Ideal der machtlosen Gesellschaft immer wieder scheitern? Die Antwort darauf ergibt sich jetzt fast von selbst: weil es ihm nicht möglich ist, den Menschen so umzugestalten, dass er ohne Machtwillen geboren wird. Im Gegenteil: da der Machtwille einer der stärksten Triebe des Menschen seit Jahrmillionen ist, kann es keine Gesellschaft ohne Machtstrukturen geben. Jede sogenannte kommunistische Gesellschaft ist daher immer nur eine Macht-Gesellschaft mit anders organisierten und definierten Machtstrukturen. Die Besitzverteilung ist immer nur ein Teilaspekt der Machtverteilung. Eine Gesellschaft mit kommunistischer Besitzverteilung, beispielsweise mit vergesellschafteten Produktionsmitteln, wäre deshalb noch nicht kommunistisch, so lange es in ihr noch politische Macht gibt.

1.4.3.4 Libyen

Der Sturz des Diktators ist ein dramatisches Beispiel wie schnell sich die absolute, ja fast Gott-ähnliche Macht eines Herrschers, der viel für sein Volk getan hat, aber im Lauf der Machtausübung immer mehr nur den eigenen Reichtum und Luxus gefördert, und Gegner mit brutaler Gewalt unterdrückt oder liquidiert hatte, in totale Machtlosigkeit bis hin zu einem grauenvollen Tod durch Lynchjustiz und die öffentliche Schaustellung als entehrte Leiche in schäbigen Gewändern (zum Glück nicht ganz im Adamskostüm) wandeln kann. Auf alle Fälle war es ein Abgang mit Pauken und Trompeten, denn fast das ganze Land wurde beim Kampf um den Machterhalt zerstört wie nach einem Weltkrieg! Es zeigt auch, wie absolute Macht zum Realitätsverlust führt, denn bis zuletzt glaubte der Machthaber, ähnlich wie andere vor ihm, an seine Unbesiegbarkeit.

1.4.4 Machtwille und Aggressionstrieb

Der Machtwille kann sich dann, wenn er bei seiner Verwirklichung auf einen unüberwindlichen Widerstand von Seiten der Machtobjekte stößt, der Aggression bedienen. Dabei ist die Aggression aber keine selbständige, um ihrer selbst Willen wirkende Triebkraft, sondern nur ein Mittel im Dienst des Machtwillens. Ich bestreite somit die Existenz eines eigenen Aggressionstriebes oder auch Todestriebes, der sich gegen den Menschen selbst oder seine Mitmenschen richtet. Auch das „wilde Raubtier“ handelt nicht aus einem Aggressionsbedürfnis heraus, sondern um bestimmte Ansprüche und Bedürfnisse durchzusetzen.

1.4.5 Sublimierung

In der Tabelle habe ich geschrieben, dass die Sublimierung des Machtwillens zur Wohltätigkeit (arab. zakat), oft bis hin zur totalen Selbstaufgabe führt. Das mag zunächst als Paradoxon erscheinen, denn wie sollte die Sublimierung eines Triebes geradezu dessen Gegenteil herbeiführen? Diese scheinbare Paradoxie resultiert nur daraus, dass das Problem zu oberflächlich betrachtet wurde.

In Wirklichkeit bedeutet nämlich die Wohltätigkeit eine viel weitergehende Beherrschung eines Mitmenschen als es die Gewalt jemals erreichen könnte. Wer, wie die Selige Mutter Teresa, einen Sterbenden in seiner letzten Stunde voll Mitleid und Barmherzigkeit begleitetet, der erlangt viel größere Macht über ihn, als derjenige der einen Menschen ins Gefängnis steckt oder gar hinrichten lässt. So und nur so betrachtet ist also die Wohltätigkeit eine viel stärkere Form der Machtausübung auf einer höheren, indirekten Ebene, also eine SUBLIMIERUNG des Machtwillens.

Der hl. Franz von Assisi hat den Verzicht auf jegliche Macht und Besitz in einer grandiosen, theatralischen Handlung vor der Welt demonstriert und dann in seinem ganzen weiteren Leben mit dem Geist der Erleuchtung weiter geführt.

09.12.10

1.4.5.1 Ist die Hypothese geeignet, eine Ethik zu begründen?

Meine Hypothese erlaubt es, altruistisches Verhalten ohne jeden Rückgriff auf religiöse Motive, also damit letztlich auf einen Gott, zu erklären. Es könnte also genau so gut eine völlig atheistische Mutter Teresa eines Tages geboren werden und genau so segensreich wirken wie die selige Albanerin. Altruistische Handlungen, die mit dem Hintergedanken auf eine Belohnung im Jenseits ausgeübt werden, sind letzten Endes ja auch egoistisch. Handelt es sich aber um die Sublimierung eines eigenen Instinktes, so ist das Verhalten weder selbstlos noch selbstsüchtig: es ist einfach ein angeborenes Verhalten. Die selige Mutter Teresa hat das vielleicht im Innersten gefühlt, wenn sie schwere Zweifel an ihrer Religion und Ihrem Gott geplagt haben. Besonders dann, wenn sie gesehen hat, welch grenzenloses Elend ihr Gott geschaffen oder toleriert hat.

Genau so wenig ist der Rückgriff auf darwinistische Erklärungen, etwa das Streben zur Erhaltung der Art oder der eigenen Gene beizutragen, erforderlich.

Fast alle Verteidiger der Religionen haben bisher behauptet, diese seien zumindest dazu notwendig, um die Welt des Hasses und der Eigensucht besser zu machen. Wenn meine Hypothese stimmt, ist diese Argumentation nicht mehr haltbar.

Friedrich von Schiller über Immanuel Kant

(http://www.gavagai.de/zitat/literatur/klassik/HHC32S.htm)

Gerne dien ich den Freunden, doch tu ich es leider mit Neigung,

Und so wurmt es mir (mich?) oft, dass ich nicht tugendhaft bin.“

Immanuel Kant hat mit der Formulierung des Kategorischen Imperativs ebenso versucht, das tugendhafte Handeln ohne Rückgriff auf die Religion, ja sogar unter Ausschluss jeglicher Gefühlsregung zu begründen. So wie es bereits Schiller in seinem Spottvers veralbert hat, bleibt die Kant’sche Begründung der Ethik blutleer und weltfremd. Kein normaler Mensch wird überlegen, ob die Maxime seines Handelns als allgemeine Maxime geeignet oder ungeeignet wäre.

10.12.10

Jesus Christus hat wie kein anderer Religionsstifter vor oder nach ihm die Sublimierung des Machtwillens gepredigt und gefordert: Du sollst Gott Deinen Herrn lieben und den Nächsten wie Dich selbst. Wenn Dich einer auf die Wange schlägt, dann halte ihm auch noch die andere hin. Dass gerade im Namen des Christentums auch die schrecklichsten Machtexzesse vorgekommen sind, dass man mit dem Papsttum eine fast allmächtige Institution geschaffen hat, die nicht nur auf Erden jede Form der Machtausübung praktizieren konnte, sondern sogar Macht über den „Himmel“ haben sollte, in dem sie unbeliebte Personen von der Gnade Gottes ausschließen (exkommunizieren) konnte, dass man Ketzer und Hexen am Scheiterhaufen verbrannt hat, das alles sehe ich als den Beweis dafür an, dass der Machtwille sich nur unter großem geistigen Aufwand und mit einer besonderen individuellen Begabung so sublimieren lässt, dass er sich aber im allgemeinen als mächtiger Urinstinkt unverfälscht seine Bahn bricht und in heilvoller, aber auch unheilvoller Weise das Leben und die sozialen Strukturen gestaltet.

1.4.5.2 Positive und negative Machtausübung

Damit sind wir bei der Wirkung des Machtwillens im öffentlichen Leben angekommen. Wenn jemand im öffentlichen Leben, damit ist sowohl die Politik, die Wirtschaft oder auch die Wissenschaft und andere Bereiche gemeint, eine führende Macht erlangt hat, kann er diese sowohl zum Nutzen als auch zum Schaden seiner Machtobjekte ausüben. Wenn er in der Politik die Macht verwendet, um neue Strukturen aufzubauen, Reformen durchzuführen und das Gemeinwohl zu fördern, große Zukunftsprojekte zu beginnen, dann wirkt sein Machtwille zum Guten, sogar dann wenn er mit harter Hand gegen Gegner vorgehen oder Kriege führen muss, um seine Ziele durchzusetzen.

Als Beispiele dafür könnte man unter vielen anderen Friedrich den Großen, seine Gegenspielerin Maria Theresia, ja sogar Napoleon, bevor er dem Größenwahn verfiel, Otto von Bismarck, Konrad Adenauer, der Deutschland und Europa neu gestaltet hat, und andere Gestalten aus der Deutschen Geschichte anführen. Ich nenne sie die „Lichtgestalten“ der Macht. Zu so einer Lichtgestalt gehört als Voraussetzung, dass sie es schafft eine sehr große Machtfülle auf sich zu konzentrieren, und diese dann revolutionär und kreativ zum Wohl der Machtobjekte auszuüben.

Im Gegensatz dazu stehen jene Machthaber, die an der Spitze einer Gesellschaft angekommen, nichts gestalten oder schaffen wollen, sondern nur ein einziges Ziel haben, nämlich ihre eigene Macht bis ins Unendliche zu vergrößern oder sogar sadistische Triebe (siehe unten) auszuleben. Ich nenne sie im Gegensatz zu den Lichtgestalten die „finsteren Mächte“. Es bleibt jedem geschätzten Leser überlassen, sich einzelne Personen als Beispiele solcher finsteren Mächte, von denen es ja leider genug gibt, in Erinnerung zu rufen. Auch politische Parteien, die keine anderen Ziele verfolgen, als ihre Macht zu erhalten oder auszubauen gehören zu den finsteren Mächten.

1.4.6 Übertragung und abnormale Machtobjekte

Die Übertragung ist ein zentraler Begriff in der Sexualtheorie von Sigmund Freud. Kurz gefasst bedeutet sie die Umleitung des ursprünglich auf das gegengeschlechtliche Elternteil, also vom Sohn auf die Mutter (Ödipuskomplex), von der Tochter auf den Vater gerichteten Sexualtriebs auf andere Personen.

Genau wie beim Sexualtrieb ist es auch beim Machtwillen möglich, das Zielobjekt des Triebes aus verschiedenen Gründen durch ein anderes Objekt zu ersetzen, das die Rolle des ursprünglichen Objektes an dessen Stelle, aber für den Trieb mit genau derselben Intensität und Befriedigungswirkung übernimmt. Bereits die natürliche Entwicklung des mit dem Trieb ausgestatteten Menschen verlangt die Übertragung. Ist das Machtobjekt des Kleinkindes noch der eigene Körper und die unmittelbare Umgebung, einschließlich der Eltern, denen es seine Macht durch sehr lautes Geschrei in schmerzlicher Weise zur Kenntnis bringen kann, so ändert sich das (primäre) Machtobjekt später mit zunehmenden Fähigkeiten bis hin zur eigenen Familie, den Mitarbeitern in der Firma, einem Sportwagen mit gewaltigen PS-Zahlen oder ähnlichem.

13.12.10

Wie stark die Macht eines Menschen über seine Mitmenschen wird, hängt nicht nur vom Machtwillen des betreffenden ab, sondern vor allem von seinen charakterlichen, intellektuellen und erarbeiteten Fähigkeiten oder den Machtmitteln die er geerbt hat. Die letzteren sind aber nicht immer entscheidend. Es gibt viele Beispiele für sehr mächtige Menschen, die aus kleinsten Verhältnissen zu überragender Macht aufgestiegen sind. Andererseits auch vielleicht noch mehr Beispiele von Menschen, die zwar große Macht geerbt hatten, aber nicht fähig oder willens waren, diese Macht auch auszuüben oder sogar zu vermehren. Der Vergleich zwischen Ludwig XIV von Frankreich und Ludwig II von Bayern soll dies veranschaulichen: Beide haben ein Königreich geerbt, aber während der eine kraft seiner Persönlichkeit zum absolut herrschenden Sonnenkönig („L’état c’est moi“) geworden ist, war die Macht des „Märchenkönigs“ nur eine sehr beschränkte, er hatte anscheinend Angst vor Menschen, ja er wurde sogar am Ende seines Lebens durch Hofintriganten total entmachtet und in den Tod getrieben.

Niemand möchte von einem Schwächling beherrscht werden, ja vielmehr noch, möchte niemand überhaupt von jemandem beherrscht werden. Wenn also jemand sich einer Macht unterordnet, so geschieht das entweder durch Zwang, durch die physische oder rein psychische Kraft oder auch freiwillig aber nur dann, wenn er diese Führerperson so liebt oder verehrt, dass er sich gern unterordnet. Die Soldaten Napoleons hatten erzählt, dass ihnen beim Anblick Ihres Kaisers „warm ums Herz geworden sei“, und das sogar noch nach der vernichtenden Niederlage gegen Russland. Macht kann nur ausüben, wer sie sich selbst erwirbt und nicht, wer sie von oben verliehen bekommen hat.

Es ist daher nur den aller wenigsten Menschen vergönnt, in größerem Umfang Macht über ihre Mitmenschen zu erlangen. Da aber nach Hypothese alle mit dem gleichen Machtwillen ausgestattet sind, ist die Übertragung auf Ersatzobjekte der wichtigste Ausweg aus diesem Dilemma. Sie bekommt um so mehr Gewicht, wie die direkte Trieberfüllung an den „natürlichen Machtobjekten“ scheitert oder verhindert wird. Daher wird der wirklich mächtige Mensch selten solche Ersatzobjekte brauchen, ja er kann sogar persönlich in absoluter Bescheidenheit, ja in materieller Armut leben! Je mehr die Macht eines Potentaten schwindet, um so mehr wird er versuchen, dies durch die Ansammlung von Luxusgüter zu kompensieren. Beispiele: Hermann Göring, Ferdinand Marcus (Diktator der Philippinen) oder viele im übertriebenen Luxus lebende Potentaten, die über eine bettelarme Bevölkerung herrschen.

12.12.10

1.4.6.1 Das Auto als Machtobjekt

Gerade ein Sportwagen, wie ein Ferrari, Maserati, Lotus, Porsche, ein Bentley, obwohl die Marke Bentley nicht nur Sportwagen bauen, sondern vor allem durch die exorbitanten Preise ihrer Produkte berühmt geworden ist, oder auch ein besonders kräftiges „SUV“, stellt ein hervorragendes Studienbeispiel für Machtobjekte dar. Warum ist jemand bereit, solche Preise zu zahlen? Selbst dann wenn er Geld im Überfluss zur Verfügung hat, könnte er ja für dasselbe Geld etwas nützlicheres kaufen. Die einzig schlüssige Antwort ist: nicht weil er besonders schnell, bequem oder sicher „von A nach B kommen“ möchte, so die übliche Redewendung bei der Diskussion eines Autokaufs, sondern einzig und allein weil er in dem Auto ein Machtobjekt sieht. Es ist zunächst die Macht, die er selbst über das Auto ausübt, mit dessen im oberen dreistelligen Bereich angesiedelten „Pferdestärken“ (nicht kW!!!, denn die symbolisieren nicht den Mythos der Kraft), seiner Sekunden-Beschleunigung und seinen höchste Sicherheit verbürgenden Bremsanlagen. Nein, dazu kommt noch die Macht die er dank des Bentley über fast alle anderen zufälligen Verkehrsteilnehmer, bewusst oder unbewusst zu haben glaubt, weil er ihnen in Bezug auf Geschwindigkeit und Beschleunigungskraft um Kategorien überlegen ist. Dies ist der wahre tiefenpsychologische Grund für die Anschaffung eines oder auch mehrerer Bentleys, dem sich der betreffende Mensch meist nicht bewusst ist. Erst dann, wenn sich dies in das Bewusstsein vieler Verkehrsteilnehmer eingeprägt hat, wird es vielleicht möglich sein, den umweltpolitisch wahnwitzigen Wettlauf um die Macht auf der Straße, der in immer kräftigeren und schnelleren Fahrzeugen gipfelt, zu beenden.

Der Fernsehfilm „Autobahnraser“ illustriert diese Ausführungen ganz köstlich treffend, vor allem die Verbindung von Geld, Macht, Arroganz und Sex unter Verletzung aller Gesetzesvorschriften und Sicherheitsvorkehrungen.

Hermann Knoflacher (2) schreibt in seinem sehr originellen Werk, dass das Auto den Menschen in der tiefsten Evolutionsschicht des Gehirns, wo die körperliche Energie verrechnet wird, angreift und ihm das Gefühl von Kraft und Macht vermittelt. Damit hat er vollkommen recht. Allerdings macht nicht das Auto den Menschen auf diese Weise zum Ungeheuer, nein, der Mensch hat den Machtwillen immer als angeborenen Trieb mitbekommen und bedient sich zu dessen Befriedigung eben heute auch des Autos. Sicher ist, dass die technische Entwicklung der Fahrzeuge ohne den Machtwillen zu anderen, wahrscheinlich brauchbareren Resultaten geführt hätte, als wir sie heute auf unseren Straßen sehen.

1.4.6.2 Der Jagdfalke als Machtobjekt, Superstars

Im Emirat Abu Dhabi erfüllen abgerichtete Jagdfalken eine vergleichbare Rolle als Machtobjekte und erzielen deshalb am Markt geradezu astronomische Preise. Wenn für einen als Haustier nutzlosen Vogel ein Preis gezahlt wird, der dem Wert eines Einfamilienhauses entspricht, so zeigt das nur die Herrschaft des Machtwillens über die Vernunft. Der Mensch ist nur zur Befriedigung seines Machtwillens bereit, jeden auch noch so sinnlos überhöhten Preis zu bezahlen, wenn er es sich leisten kann. Dies gilt nicht nur für Jagdfalken, sondern ebenso für Luxusautos, Rennkamele, Luxusschmuck u.a. Analog dazu könnte man die extrem überhöhten Gagen für Superstars, die aber nicht der Befriedigung des Machtwillens sondern eher des Sexualtriebes entgegenkommen, anführen. Supermodels, Super-Pop- oder Filmstars erhalten die höchsten überhaupt zahlbaren Gagen die bis in den Bereich von Milliarden USD (z.B. für Madonna) gehen können. Hier gibt es offenbar eine schreiende Diskrepanz zwischen der kulturellen Leistung und der Bezahlung, die nur durch das Triebleben zu Stande kommt und so überhaupt erst erklärbar wird.

1.4.6.3 Sammel- und Putzwut

Praktisch alles, was der Machtentfaltung dienen kann, steht auch tatsächlich als Machtobjekt zur Verfügung. Im späten Alter werden die Möglichkeiten dafür allerdings wieder viel geringer, bis der Mensch schließlich kaum noch Macht über seinen eigenen Körper und Geist hat und Macht höchstens auf Grund angesammelter finanzieller Reserven oder mittelbar über die ihm in Zuneigung und Dankbarkeit ergebenen Angehörigen, die ihrerseits Macht besitzen, ausüben kann.

Ich möchte das Phänomen der Übertragung an einem sehr trivialen Beispiel aus dem Alltagsleben illustrieren: der „Sammelwut“. Wer davon befallen ist, hat die Gegenstände seiner Sammelwut zum Machtobjekt auserkoren, egal ob ihm dies bewusst ist oder nicht. Er hat im Extremfall nur noch ein Lebensziel, seine Sammlung zu verbessern und zu vermehren. Es wäre ihm absolut unmöglich, die Sammlung zu vernichten, auch dann wenn sie objektiv betrachtet völlig wertlos wäre. Einen solchen Fall im Extrem stellen die sogenannten „Messies“ dar, die nicht fähig sind, auch nur den kleinsten Gegenstand, sogar Abfälle wegzuwerfen, sondern alles aufheben, bis sie schließlich im Chaos versinken. Die einzige Rettung besteht hier in der „Übertragung“ und zwar einer ganz bewussten. Der Patient muss sich beispielsweise sagen, wenn ich diese alte Zeitung wegwerfe, verliere ich zwar die Macht über sie, aber ich gewinne neue Macht über den frei werdenden Raum. Die Macht die er verliert ist es, genau zu wissen, was am Erscheinungstag der Zeitung, z. B. dem 23.12.1961 am Erscheinungsort der Zeitung alles vorgefallen ist.

Das Machtobjekt „alte Zeitung“ wird also unter der vollen Kontrolle des in das Bewusstsein gebrachten Willens, ersetzt durch das Machtobjekt „Ablagefläche“ oder „leeres Bücherregal“. Dafür ist es allerdings notwendig, dass er vielleicht im Rahmen einer persönlichen Psychoanalyse durch einen Fachmann lernt, die tiefsten Motive seines Handelns zu erkennen und sie dann rational zu verändern. In ähnlicher Weise kann eine akribisch geordnete und gepflegte Wohnumwelt und Garten zum Machtobjekt werden, so dass man keine Ruhe findet, bevor nicht alles weggeräumt, spiegelblank geputzt und das gesamte Gras exakt auf 3 Millimeter Höhe geschnitten ist. Auch dieses Verhalten kann, wenn es übertrieben wird zur Machtneurose (Machtbesessenheit) ausufern.

Im Gegensatz zur bisherigen Lehre ist es aber nicht mehr notwendig – wenn man meiner Hypothese folgt – die Sammel- oder Putzwut auf einen verdrängten Sexualtrieb zurückzuführen, sondern vielmehr und wie ich meine, naheliegender auf einen fehlgeleiteten Machtwillen. Damit liegt auch die Lösung des Problems NICHT im Bereich der Sexualität, sondern in dem der Lebens- und Umweltbewältigung.

1.4.7 Fixierung

Die Unfähigkeit von einem Ersatzobjekt auf ein anderes zu wechseln kann zu ernsthaften Problemen im praktischen Leben führen. Im schlimmsten Fall ist die Psychoanalyse erforderlich um eine Fixierung zu lösen, wie zuvor am Beispiel der Messies erläutert.

1.4.8 Superobjekte

Das beste Beispiel für ein Superobjekt ist die Frau. Sie dient dem Mann nicht nur als Sexualobjekt, sondern in gleichem Maß als Machtobjekt. Manche mögen dies als entwürdigend empfinden, aber es ist nun einmal von der Natur so eingerichtet worden. Der Mann hat nicht nur einen sehr starken, auf die Frau gerichteten Sexualtrieb, er hat auch die um Klassen kräftigere Muskulatur mitbekommen, die ihm (in den Augen der Natur) die Macht über die Frau gibt. Dies hat sich in Jahrmillionen vor unserer Zeit im Laufe der Evolution so entwickelt und niemand kann sich einem so tief verwurzelten Erbe aus grauer Vorzeit ganz entziehen.

Das Weib hat die Natur aber mit einer Waffe ausgestattet, die schärfer wirkt als alle Muskeln des Mannes, und zwar mit ihren ‘weiblichen Körperformen’. Diese sind als „Schlüsselreize“ unveränderlich in das Auge des Mannes einprogrammiert, so dass er automatisch „Helenen in jedem Weibe“ sieht (Goethe, Faust).

Nur in diesem Kontext lässt sich verstehen, dass es Religionen gibt, welche die Unterwerfung der Frau unter den Mann sogar durch das Gebot Allahs rechtfertigen möchten. Schließlich wird jene, dem Gottesgebot folgend, durch eine Burka so verhüllt, dass sie nicht mehr als lebendiger Mensch, sondern wie eine wandelnde Mumie in der Öffentlichkeit erscheinen muss. Damit wird sie zum exklusiven Besitz eines einzigen Mannes, der sie wie eine Sklavin nach Belieben behalten oder wegschicken kann, ja er kann sogar beliebig viele derartige Superobjekte besitzen, wenn es sein Vermögen erlaubt. Es ist paradox, dass der Prophet Muhammad selbst die Vielehe abschaffen wollte, zumindest hatte er diese auf 4 Frauen begrenzt und ganz davon abgeraten. Darüber hinaus hatte er versucht, die Gleichberechtigung von Mann und Frau einzuführen und einige Urteilssprüche zu Gunsten unterdrückter Frauen gesprochen. Jede Religion lässt sich so auslegen, wie man es gerade für gut befindet. Und so werden von den meisten strenggläubigen Muslimen die Lehren des Propheten so ausgelegt, dass sie zur eher zur Unterdrückung als zur Gleichberechtigung der Frau führen.

In anderen Kulturen kommt es vor, dass weibliche Neugeborene getötet werden, weil sie später als Frauen nur wirtschaftliche und soziale Nachteile für ihre Eltern mit sich bringen würden.

Es erscheint mir plausibel, dass solche Religionen nicht von Gott geoffenbart, sondern nur von Männern erdacht worden sind. sogar in der Jüdisch-Christlichen Religion wurde die Frau nicht als eigenes Wesen sondern als „Nebenprodukt“ aus einer Rippe des Mannes geschaffen, um den Mann zu erfreuen.

Die Rolle als Superobjekt gipfelt historisch im Hexenwahn, wo Frauen zu tausenden nicht nur als Sexualobjekte verunglimpft, sondern auch in der schlimmsten Weise als Machtobjekte den sadistischen Trieben von Männern geopfert wurden.

Die Befreiung der Frau (Emanzipation) aus dieser Rolle ist eine nur zu verständliche Gegenreaktion der jüngsten Zeiten. Die Frau versucht heute immer mehr auf allen Gebieten des Lebens nicht nur als Rechtsperson, sondern auch in der Wissenschaft, Wirtschaft oder sogar dem Sport mit dem Mann auf Augenhöhe zu konkurrieren. Sie kann diese Konkurrenz nur gewinnen, wenn sie ihre spezifisch weiblichen Fähigkeiten voll einsetzt. Im Sport zeigt sich die zumindest leistungsmäßige Überlegenheit des Mannes, die ich oben beschrieben habe. In den meisten Sportarten sind die Anforderungen bei den Männern höher als bei den Frauen.

Einige Beispiele aus der Literatur sollen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – diese Thesen illustrieren und stützen:

1.4.8.1.1 Epheser 5:21 ff

Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.

Eph 5,22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn (Christus);

Eph 5,23 denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib.

Eph 5,24 Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen.

Eph 5,25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat,

Eph 5,26 um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen.

Eph 5,27 So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.

Eph 5,28 Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst.

Eph 5,29 Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche.

Eph 5,30 Denn wir sind Glieder seines Leibes.

Eph 5,31 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.

Eph 5,32 Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.

Eph 5,33 Was euch angeht, so liebe jeder von euch seine Frau wie sich selbst, die Frau aber ehre den Mann.

Quelle:

http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/eph5.html#21

(die Hervorhebungen (bold) stammen vom Autor)

Tiefer und schöner könnte man die Beziehung zwischen Mann und Frau wohl kaum definieren. Hier ist sowohl der Aspekt der Liebe, die man auch als die sublimierte Form der Sexualität auffassen könnte, als auch die klare Unterwerfung der Frau unter den Mann als Machtobjekt enthalten.

Eph 5,33 wird manchmal auch so übersetzt: ‘Das Weib aber fürchte den Mann’.

1.4.8.1.2 Joseph Haydn, Die Schöpfung

Nr. 31 Rezitativ

ADAM
Nun ist die erste Pflicht erfüllt,
Dem Schöpfer haben wir gedankt.
Nun folge mir, Gefährtin meines Lebens!
Ich leite dich, und jeder Schritt
Weckt neue Freud’ in unsrer Brust,
Zeigt Wunder überall.
Erkennen sollst du dann,
Welch unaussprechlich Glück
Der Herr uns zugedacht.
Ihn preisen immerdar,
Ihm weihen Herz und Sinn.
Komm, folge mir, ich leite dich.

EVA
O du., für den ich ward,
Mein Schirm, mein Schild, mein All!
Dein Will’ ist mir Gesetz.
So hat’s der Herr bestimmt,
Und dir gehorchen bringt
Mir Freude, Glück und Ruhm.

Quelle:

http://opera.stanford.edu/iu/libretti/schoepf.htm

(die Hervorhebungen (bold) stammen vom Autor)

Dieser Text (die Vorlage stammt von John Milton u.a.) wird noch ins Mystische gesteigert durch die Musik des „Shakespeare der Musik“, des ersten „Wiener Klassikers“, Joseph Haydn.

1.4.8.1.3 Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Die Reden Zarathustras, Von alten und jungen Weiblein

„Alles am Weibe ist ein Rätsel, und Alles am Weibe hat Eine Lösung: sie heißt Schwangerschaft. Der Mann ist für das Weib ein Mittel: der Zweck ist immer das Kind.“[1]

Zum Dank bekommt er vom alten Weiblein eine „kleine“, aber oft missverstandene „Wahrheit“ geschenkt:

Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!“[1]

Quelle:

http://de.wikipedia.org/wiki/Also_sprach_Zarathustra

(Der Zusatz [1] verweist auf eine Quelle ebendort.)

Ob dieser Satz missverständlich ist oder nicht, also von Nietzsche anders gemeint war, darüber lässt sich trefflich streiten. Andererseits kann man allein aus der Tatsache, dass dieses Zitat eine solche Popularität erlangt hat wiederum folgern, dass viele Männer genau so denken – wie es Nietzsche eben nicht ausdrücken wollte.

16.01.11

1.4.9 Verdrängung

Als Verdrängung bezeichnet Freud die Verlagerung eines sehr starken Triebwunsches oder tabu-belasteten Erlebnisses in das Unterbewusstsein. Vom Unterbewusstsein aus kann dieser verdrängte Impuls dann zu völlig irrationalen, krankhaften Verhaltensweisen führen, die man als Hysterie und Neurose bezeichnet hat.

Da es sich nach meiner Hypothese beim Sexualtrieb und beim Machtwillen um gleichartige Phänomene handelt, ist zu erwarten, dass auch beim Machtwillen ein analoges Fehlverhalten wie bei der Verdrängung sexueller Inhalte auftreten kann. Ja, ich vermute sogar, dass dies im Bereich des Machtwillens sogar häufiger und mit schwereren Folgen auftritt als beim Sexualtrieb. Für die Verdrängung ist es wesentlich, dass ein sehr starker Trieb besteht, der aber durch eine noch stärkere Hemmung unterdrückt und an seiner normalen Befriedigung gehindert wird. Nur wenn beide Voraussetzungen zutreffen, kann es zur Verdrängung kommen. Bei der „Machtneurose“, also dem gestörten Verhalten auf Grund eines verdrängten Machtwillens, sucht sich der Kranke ein Machtobjekt, an dem er seinen übersteigerten Machtwillen ohne jegliche Hemmung ausüben und abreagieren kann. Ich möchte für diese Theorie zwei dramatische und dennoch häufig auftretende Beispiele schildern. Eine weniger auffällige Form der Machtneurose bildet die sogenannte Zwangsneurose, die aber für den davon betroffenen Patienten sehr schwerwiegend sein kann.

1.4.9.1 Zwangsneurose

Die Zwangsneurose äußert sich darin, dass der Patient das unwiderstehliche Bedürfnis hat, bestimmte Kontrollhandlungen bis zur Erschöpfung zu wiederholen. Er kehrt zum Beispiel nach dem Verlassen des Hauses mehrfach zurück, um sicherzustellen, dass er die Türe gut abgeschlossen hat. Ähnliche Zwangshandlungen gibt es in den verschiedensten bis zur völligen Absurdität reichenden Varianten.

Die Erklärung dafür ist folgende: der ins Unterbewusstsein verdrängte Machtwille sucht sich ein von seinem ursprünglichen, aber durch Hemmung blockierten Machtobjekt ein neues, vielleicht völlig abweichendes Machtobjekt, das sich zwar beherrschen lässt, das aber auf Grund der Verschiedenheit von dem eigentlich gemeinten Machtobjekt keine wirkliche Befriedigung des Machtwillens ermöglicht. Daher wird versucht, diese Scheinbefriedigung durch eine drastische Überbetonung und Ritualisierung der Handlungen zu kompensieren.

Gerade hier ist es zielführend, die tiefenpsychologischen Wurzeln nicht im Sexualtrieb sondern im Machtwillen zu suchen und dementsprechend in der Therapie – einschließlich einer modifizierten Psychoanalyse – vorzugehen.

1.4.9.2 Pädophilie

Der pädophile Mensch leidet unter der Hemmung, seinen Machtwillen gegenüber einem normalen Sexualpartner ausüben zu können. Das ist keine primär sexuelle Störung, der Sexualverkehr mit einem Ehepartner kann sogar völlig normal stattfinden, gestört ist vielmehr die Machtausübung gegenüber diesem Partner, also die Möglichkeit den Partner zum „Superobjekt“ zu machen. Daher sucht sich der Pädophile in der Gestalt von kleinen, noch nicht sexuell reifen Kindern Ersatzobjekte, gegenüber denen er seinen Machtwillen ohne Hemmung ausüben kann. Das Kind ist weder körperlich noch geistig in der Lage, den Machtansprüchen des Pädophilen entgegenzutreten. Hierbei geht es ihm weniger um die sexuelle Vergewaltigung als vielmehr um die Gewaltausübung im zwischenmenschlichen Bereich, bis hin zur totalen Erniedrigung und Unterwerfung der Machtobjekte. Auch sadistische Handlungen können dazu gehören. Hinzu kommt noch die starke sexuelle Erregung, die durch einen unerhörten Tabubruch immer ausgelöst wird. Es gehört schon eine sehr starke Macht und Brutalität dazu, einen sexuell noch völlig unreifen Menschen zum Geschlechtsverkehr, oder vielmehr zum Missbrauch der äußeren Genitalien oder zur Schamverletzung zu zwingen. Die Demonstration der Macht ist dabei noch wesentlich stärker als bei der Vergewaltigung eines sexuell reifen Partners.

Die in jüngster Zeit bekannt gewordenen Taten eines pädophilen, mehrfachen Kindermörders mögen uns noch so bestialisch und rätselhaft erscheinen, es sind eben nicht Taten einer Bestie, sondern immer Taten von Menschen, die an einer besonders schweren Form der Machtneurose leiden, deren Ursache vielleicht hiermit erstmalig logisch erklärt werden kann.

Ich sehe daher in der Pädophilie vor allem eine Störung des Machtwillens und erst sekundär eine solche der Sexualität. Diese Theorie mag in scharfem Gegensatz zur herrschenden Lehrmeinung stehen, sie erklärt aber sehr gut das paradoxe Phänomen, dass pädophil veranlagte Menschen oft ein ganz normales Sexualleben parallel oder sogar zur Tarnung ihrer Neurose führen können und sich im normalen sozialen Umfeld meist als besonders liebenswürdige Mitmenschen verhalten.

1.4.9.3 Inzest

Ich untersuche hier nur den Inzest zwischen Elternteil und Kind, nicht den zwischen Geschwistern. Es ist auffällig, dass kaum solche Inzestfälle zwischen Mutter und Sohn bekannt geworden sind, sondern immer nur zwischen Vater und Tochter. Auch dies könnte dadurch erklärt werden, dass der Machtwille bei Frauen viel schwächer ausgeprägt ist, als bei Männern. Ich nenne als Bespiele die jüngsten Fälle in Wien und Amstetten, aber auch ähnliche in Deutschland und Italien. Der Fall Kampusch (Wien) ist zwar kein Inzest, aber in seiner Natur einem Fall von extremem Inzest gleichwertig. Ohne auf die Schilderung der geradezu pikanten Einzelheiten solcher Fälle einzugehen, was ja die Boulevardpresse bestens besorgt oder als Bestsellers von den Beteiligten selbst geschildert wird (3), soll hier das grundlegende Verhaltensmuster und seine tieferen Ursachen untersucht werden. Der „Normalbürger“ mag beim Lesen solcher Berichte nicht nur eine schaurig-schöne Lust und Neugier empfinden, sondern vielleicht sogar Neid darüber, dass er nicht im Besitz einer willenlosen Sexsklavin ist. Der Ausdruck „Neugier“ trifft hier besonders, denn um eine Gier handelt es sich dabei.

Die normale Familie bildet immer eine gegen die Außenwelt streng abgeschlossene Zelle oder „Familienglocke“, in der völlig andere soziale Gesetze gelten, als in der Außenwelt. Dieses Prinzip der Familienglocke wird nun zum Extrem gesteigert, wenn ein Vater seine Tochter oder ein Entführer ein kleines Mädchen in einem technisch äußerst raffiniert und mit großem Aufwand gebauten Gefängnis total von der Außenwelt absondert, ja nicht einmal dem Tageslicht zugänglich macht, und sie gleichzeitig zur willenlosen Sexsklavin heranzieht, die nicht nur den Geschlechtsverkehr ohne eigenen Willen oder Lust zu vollziehen hat, sondern vielmehr noch Inzestuöse Kinder in möglichst großer Zahl gebären muss. Dies stellt wohl den krassesten Fall von Pädophilie dar (siehe oben), der überhaupt denkbar ist. Während der „normale“ Pädophile sich ein Superobjekt sucht, das ihm möglichst fremd ist, ja das er vielleicht nur ein einziges Mal kontaktiert, wird hier eine praktisch lebenslange Bindung zum Superobjekt aufgebaut, die nur durch eine Panne in Form der Aufdeckung des Inzest gewaltsam beendet wird. Diese Bindung ist also wesentlich stabiler und intensiver als im Normalfall.

Hinzu kommt noch, dass es sich um den Bruch eines der stärksten Tabus handelt und dass auch aus diesem Tabubruch, solange er nicht entdeckt wird, ein starker Lustgewinn folgt (vgl. Studien zur Sexualtheorie).

Der Inzestfall zeigt wohl am deutlichsten, wie eng Sexualtrieb und Machtwille miteinander verwoben sind und wie es möglich ist, dass beide Triebe auf ein einziges Objekt konzentriert werden, das dann wohl die Bezeichnung „Superobjekt“ zu Recht verdient. Er zeigt auch, wie ganz natürliche und nützliche Verhaltensweisen im Fall der Neurose zur monströsen Extremform gesteigert werden können. Die Familienglocke ist im Rahmen der Gesellschaft eine sehr schöne und nützliche soziale Struktur, die auch eine besondere Förderung durch die meisten Staaten und Religionen genießt. Aber die normale Familie sucht genauso die Konfrontation und die Bewährung gegenüber der Umwelt und bereitet die Kinder auf ihre Rolle in der Gesamtgesellschaft so gut wie nur möglich vor. Beim Inzest wird aber das Prinzip der Glocke in seine absolut höchste Form gesteigert, während die Bewältigung der Umwelt sich einzig und allein auf den Schutz vor der Aufdeckung der Tabuverletzung konzentriert. Wenn dies scheitert, bleibt als Konsequenz nur noch der Selbstmord oder die lebenslange Haft des Täters, sofern nicht eine Therapie mit Erfolgsaussicht begonnen werden kann. Gerade dies könnte durch das tiefere Verstehen der Triebstruktur aber gelingen. Der Psychoanalytiker unterscheidet sich damit gewaltig von dem laienhaften Mitbürger, der im Täter nur ein Monster sieht, sondern er versteht eine Neurose als die Fehlleitung ganz natürlicher und dem Menschen seit der Menschwerdung angeborenen Instinkte. Wenn man die Ursachen dieser Fehlleitung analysieren kann, ist es auch möglich, sie unter Kontrolle zu bringen und beispielsweise durch ein Verhaltenstraining in geordnete Bahnen zu lenken.

1.4.9.4 Amokläufer

Ein Amokläufer leidet unter einer besonders folgenschweren Form der Machtneurose. Der Patient ist bei der Befriedigung seines Machtwillens und im sozialen Kontakt mit einer Vielzahl von Mitmenschen gescheitert. Der unterdrückte Machtwille sucht im Unterbewusstsein nach einer starken und endgültigen Befreiung. Diese erreicht er nur noch dadurch, dass er sich eine absolute Machtposition zum Beispiel durch überlegene Waffen oder Bomben verschafft, in der er die extremste Machtausübung durch Tötung aller scheinbaren Machtobjekte vollziehen kann, ohne eine Hemmung durch mögliche Gegenwehr zu erfahren. Nicht nur die physische, sondern auch jeder rein verbale Widerstand wird angesichts der Todesangst oder des Überraschungsmoments der Handlung von vornherein ausgeschaltet. Der Amokläufer hat also das Erlebnis uneingeschränkter Macht als Herr über alle anderen. Der Sinn eines Amoklaufes kann rational überhaupt nicht verstanden werden. Wenn man ihn aber als ein tiefenpsychologisches Phänomen betrachtet, erhält er sehr wohl eine innere Logik und erscheint als einzig möglicher Ausweg aus einer ganz tiefen Lebenskrise. Der Amokläufer verübt seine Tat nicht aus Langeweile, sondern weil ihn ein unerträglich stark gewordener Leidensdruck dazu zwingt. Er sucht seine Opfer in den aller meisten Fällen nicht gezielt aus, sondern geht in blinder Wut gegen zufällig Anwesende vor, denn sein eigentliches Ziel ist die Befriedigung des Machtwillens und nicht die Rache an bestimmten Einzelpersonen.

1.4.9.5 Selbstmord-Attentate

Selbstmord-Attentate sind eine spezielle Form des Amoklaufes, bei der der Täter nicht zuerst andere tötet, sondern den Tod der Anwesenden durch seinen eigenen Tod herbeiführt ohne das Resultat zu kennen oder mitzuerleben. Auch hierbei liegt eine Verdrängung des Machtwillens vor: der Attentäter gehört einer religiösen oder politischen Gruppe an, die entweder in seiner Einbildung oder tatsächlich von einer herrschenden Mehrheit stark unterdrückt wird. Im Selbstbewusstsein dieser Gruppe sollte aber gerade sie die herrschende Macht über alle anderen gesellschaftlichen Kräfte besitzen. Aus diesem Gegensatz zwischen Einbildung und Wirklichkeit resultiert eine starke Verdrängung des Machtwillens, die schließlich im Selbstmord-Attentat gipfelt, wenn alle anderen Lösungen aussichtslos erscheinen oder gescheitert sind. Auch dies ist keine rational erklärbare Handlungsweise, sondern nur tiefenpsychologisch zu verstehen und zu beeinflussen.

1.4.10 Schmerz durch Machtverlust, Lärm

Es ist evident, dass dem Lustgewinn durch Machtzuwachs genau so ein Schmerzgefühl bei Machtverlust gegenüberstehen muss. Dieses Gefühl entspricht nicht nur der realen Beeinträchtigung durch den Verlust, beispielsweise von Geld, sondern es wird noch durch die Triebfrustration, also die Nichtbefriedigung des Triebes zusätzlich verschärft.

Ich möchte dies durch das einfache Beispiel des Lärms verdeutlichen: Lärm ist ein Machtverlust über das eigene Gehör, dem man sich praktisch nicht entziehen kann. Die völlige Stille ist eines der höchsten Güter, die es geben kann. Lärm zerstört dieses Gut nicht nur, sondern er erzeugt auch noch die Triebfrustration, die vom Ohr aufgenommenen Geräusche nicht kontrollieren zu können und unwichtige oder unmelodische Geräusche auszublenden. Er ist eine akustische Vergewaltigung. Während Lärm in gewissen Grenzen, sofern er nicht so laut ist, um das Trommelfell oder die empfindlichen Haarzellen in der Schnecke zu schädigen, weder eine Bedrohung noch eine gesundheitliche Beeinträchtigung bildet, also vom physiologischen Standpunkt vollkommen unbedenklich wäre, so kann andererseits bereits der geringste Lärm eben nur durch das Erlebnis des Machtverlustes zu einer sehr schweren seelischen Belastung werden.

Nicht umsonst waren gerade die größten Geister der Menschheit extrem empfindlich gegen Lärm.

14.10.11

1.4.11 Sinn des Lebens

Die Basis des Lebens ist Gesundheit und die Erfüllung der materiellen körperlichen Bedürfnisse. Aber der Sinn des Lebens ist dies noch nicht, der Sinn liegt allein in der Befriedigung der Triebe. In der Einleitung habe ich geschrieben, dass man fast 99 Prozent aller menschlichen Verhaltensweisen allein durch die Hypothese der zwei „Urinstinkte“ des Menschen, Sexualtrieb und Machtwille erklären kann. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass der Sinn des Lebens zu 99 Prozent in nichts anderem als der Befriedigung dieser Triebe bestehen muss. Der Mensch ist demnach ein Organismus, dessen Sinn oder eingebautes „Programm“ darin besteht, die angeborenen Instinkte zu befriedigen. Dabei gibt es natürlich unendlich viele verschiedene individuelle Wege um diesen Sinn zu realisieren – von der brutalsten, rein animalischen, ja sogar „bestialischen“ Trieberfüllung bis hin zur reinen Sublimierung in ihrer edelsten, nur dem Menschen vorbehaltenen Form.

1.4.12 Der Tod

Es gibt ein wunderschönes Choralvorspiel BWV 643 „Alle Menschen müssen sterben“. Darin ist schon alles ausgedrückt, was ich hier schreiben möchte.

Der Choral lautet so:

Alle Menschen müßen sterben,

Alles Fleisch vergeht wie Heu;

Was da lebet, muß verderben,

Soll es anders werden neu.

Dieser Leib, der muß verwesen,

Wenn er anders soll genesen

Zu der großen Herrlichkeit,

Die den Frommen ist bereit.

Der Tod ist angesichts des totalen Machtverlustes nicht eine schreckliche Bedrohung, ein über uns hängendes Damoklesschwert, sondern ein sehr großer Trost: auch die herrlichste und uneingeschränkte menschliche Macht zerfällt zu Staub im Angesicht des Todes. Niemand kann so mächtig werden, dass er vom Tod verschont bleibt. Der eigene Tod ist wie ein warmes Licht, das seinen freundlichen Schein über das gesamte gegenwärtige und zukünftige Leben wirft und uns daran erinnert, was für uns wichtig sein sollte und was ohne jede Bedeutung ist. Wenn wir lernen, dieses Licht immer zu sehen, wie einen Sonnenstrahl der durch das Fenster einer Kathedrale in den Kirchenraum fällt, und unser Planen und Handeln gerade auch in diesem Licht zu betrachten, werden wir vielleicht eine Antwort bei der Suche nach dem Sinn des Lebens finden oder zumindest lernen, uns neue Fragen zu stellen.

Der große Philosoph Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi hatte einmal die Frage gestellt, wieviel Erde brauche der Mensch. Letztlich braucht ihm zufolge der Mensch nur so viel Erde, wie notwendig ist, um seinen leblosen Körper zur ewigen Ruhe zu betten.

1.4.13 Literatur

  1. Stéphane Hessel, Indignez-vous!.Indigène. Montpellier, Hérault, 2010. ISBN-10: 291193976X
    ISBN-13: 978-2911939761
  2. Hermann Knoflacher,Virus Auto: Die Geschichte einer Zerstörung. Wien: Ueberreuter, Carl, Verlag GmbH. 2009.
    ISBN-10: 3800074389
    ISBN-13: 978-3800074389
  3. Natascha Kampusch, 3096 Tage, Weltbild Verlag GmbH, Augsburg,
    ISBN-10: 3471350683
    ISBN-13: 9783471350683
    Erscheinungsdatum: 24.01.2011
  4. Carsten Becker, Über Sigmund Freuds “Das Unbehagen in der Kultur”: Inwieweit steht die Kultur mit dem Glück des Menschen im Einklang und welches Zeugnis kann der Kultur auf Grundlage dieses Verhältnisses ausgestellt werden?, GRIN Verlag (Oktober 2008),ISBN-10: 9783638759144
    ISBN-13: 978-3638759144

Anmerkung: in diesem Blog sind die im Inhaltsverzeichnis rechts angegebenen Seitenzahlen des Dokumenttextes leider verloren gegangen. Die Originaldatei steht zum Download zur Verfügung (siehe Link:

http://wolfgang66.files.wordpress.com/2011/10/macht.odt ).

Diese enthält auch die neueste Textversion.

Die eingefügten Datums-Zahlen stellen nur das Datum der Niederschrift des darauf folgenden Kapitels oder Unterkapitels dar.

2 Antworten zu „Mensch und Macht“

  1. Friedrich Teichmann sagt:

    Offen bleibt für mich aber die Frage, wie kann das in die Praxis umgesetzt werden! Schon Stephane Hessel schreibt auf Seite 13 (der deutschen Übersetzung): “Die Gründe, sich zu empören, sind heutzutage oft nicht so klar auszumachen – die Welt ist zu komplex geworden….”. Ich fürchte, jede Form einer praktischen Umsetzung mündet wieder im Willen zur Macht.

  2. wolfgang66 sagt:

    Sorry, die praktischen Konsequenzen halte ich in aller Bescheidenheit für revolutionär. Sie reichen von der Ethik, über die Psychoanalyse, den Feminismus und dessen religiöse oder philosophischen Wurzeln, der Psychoanalyse (neues Fundament versucht), der Kriminalistik (Pädophilie, Terror) bis hin zur Machtpolitik. Man muss nur genau lesen was ich gemeint habe. Insbesondere verweise ich auf die ODT Datei, denn nur sie enthält die letzte Version. Das Projekt ist noch lange nicht abgeschlossen.

    Es ist ja selbstverständlich, dass es nicht meine Absicht ist, den Machtwillen zu bekämpfen, gerade wenn ich postuliere dass er neben dem Sexualtrieb der zweite und vielleicht wichtigere Urinstinkt des Menschen ist. Die Praxis besteht für mich darin, dass wir uns bewusst werden zu welchen positiven oder negativen Resultaten er geführt hat und führen wird. Ich bin KEIN WELTVERBESSERER.

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