Gibt es echte Krisen?

Unter einer Krise versteht man im allgemeinen eine Problemsituation, die nicht nur individuell bedrohlich ist, sondern eine größere Anzahl von Menschen, ja vielleicht sogar die gesamte Menschheit betrifft und sich nicht kurzfristig beseitigen lässt.

Ein Chaos ist eine Krisensituation, die plötzlich eintritt, aber meist auch wieder schnell beseitigt wird. Man kann praktisch aus jeder Situation und jeder Schwierigkeit des Lebens eine Krise herbeireden. Damit werden „scheinbare“ Krisen geschaffen, die allerdings für die davon betroffenen sehr real sein können. Dennoch handelt es sich nur dann um echte Krisen, wenn sie universal und unlösbar sind. Im folgenden soll untersucht werden, ob es echte Krisen gibt und wenn ja, welche das wohl sind. Dazu sollen zunächst verschiedene Beispiele für Krisen genannt und kurz beschrieben werden. Ich erhebe nicht den Anspruch, dabei immer die am meisten zutreffenden Definitionen zu geben. Es ist scheinbar paradox, dass es zu vielen der genannten Krisen auch das genaue Gegenteil als Krise gibt. Dies zeigt schon, dass dies keine echten Krisen sind.

Klimakrise

Erwärmung der Erde durch Treibhausgase mit der Gefahr einer globalen, irreversiblen „Klimakatastrophe“, beispielsweise einer neuen Eiszeit oder dem Untergehen von ganzen Kontinenten im Meer.

Energiekrise, Ölkrise

Erschöpfung aller Reserven an fossilen Energiequellen.

Hungerkrisen

Es gibt nicht ausreichend Nahrung in einem Land oder, falls die Erdbevölkerung ins unendliche weiter wächst, für die gesamte Menschheit. In den meisten Fällen sind das nur Transport- oder Verteilungsprobleme. Es gibt genug Nahrung, nur können sie manche Gruppen nicht bezahlen. Hier ist die Krisenursache also die Geldkrise, die weiter unten zu besprechen sein wird.

Fettkrise, Verfettung der Bevölkerung

Diese Krise ergibt sich als Gegenteil zur Hungerkrise: zu viel Nahrung und zu wenig Arbeit.

Impotenzkrise

Durch ständige Überflutung mit Sexualreizen verliert der Mann die sexuelle Potenz, weil ständig vorhandene Reize nicht mehr stimulierend sind, und versucht dies durch teure Medikamente zu kompensieren.

Alterskrise

Die Bevölkerung vergreist zunehmend, die Menschheit stirbt aus, weil es nicht genügend Kinder gibt.

Bevölkerungsexplosion

Die Menschheit vermehrt sich explosionsartig, weil die natürlichen Begrenzungen durch Krankheit, Hunger, Unfälle, Katastrophen immer weiter eingedämmt werden und der Mensch von Natur auf ungezügelte Fortpflanzung programmiert ist. Diese Krise steht im krassen Gegensatz zur „Alterskrise“.

Krise der Bildung

Eine zunehmende Zahl von Jugendlichen erreicht nicht mehr die Eignung für einen Beruf, weil elementare Kenntnisse nicht vermittelt werden oder erlernt werden können. Einziger Ausweg ist staatliche Alimentierung.

Aids

Stellt in vielen Ländern eine echte Krise dar, dadurch verursacht, dass die Menschen entweder zu dumm oder zu arm sind, Verhütungsmittel zu gebrauchen. Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen.

Glaubenskrise

Eine zunehmende Zahl von Gläubigen nimmt nicht mehr am religiösen Leben teil oder glaubt überhaupt nicht mehr an Gott, Kirchen und Klöster werden geschlossen.

Fundamentalismus

Das Gegenteil der Glaubenskrise, eine zunehmende Zahl von Gläubigen, vor allem in den Arabischen Ländern, erhebt den Glauben und seine Gebote zur obersten Regel für das gesamte politische und geistige Leben. Hier kann man von einer echten Krise sprechen, da die Konsequenzen daraus nur katastrophal sein können. Auch hier gilt: gegen Dummheit ist…

Terrorismus

Eine zunehmende Zahl von Menschen befinden sich in einer verzweifelten Lage und sehen als letzten Ausweg den Terror, das heißt die Durchsetzung ihrer vielleicht berechtigten, aber von der Gesellschaft nicht verstandenen Ziele mit brutalster Gewalt bis hin zur Selbstzerstörung.

Verkehrschaos

Die Zunahme der Autos und vor allem das gleichzeitige Fahren aller Autobesitzer mit dem gleichen Ziel führt zum Kollaps des Straßenverkehrs.

Erdbeben

Schweres Chaos, aber durch Vorsorge vermeidbar, schlimmstenfalls durch Räumung oder Nichtbenutzung ganzer Siedlungsregionen.

Finanzkrise und Wirtschaftskrise

Die sogenannte Finanzkrise des Jahres 2009 und der Folgejahre ist dadurch entstanden, dass die Bevölkerung der führenden Wirtschaftsnation USA geglaubt hat, sie könne Reichtum erwerben durch das Ausleihen von Geld. Der Gedanke dahinter war, dass die Investition des geborgten Geldes in Immobilien allein durch deren ständige Wertsteigerung zur Vermehrung des Reichtums ohne Arbeit führen sollte. Da dies aber praktisch unmöglich ist, wenn es alle praktizieren, musste die Spekulation platzen und führte dann im Gegenteil zu einer gewaltigen Vernichtung von Vermögen.  Es ist absurd, als Verursacher dieser Krise die großen Banken oder Spekulanten (z.B. die Hedgefonds) zu vermuten. Diese Institutionen sind vielmehr die ersten Opfer der Finanzkrise. Verursacher ist dagegen die gesamte amerikanische Bevölkerung, sofern sie verantwortungslos und geldgierig Schulden bei Banken gemacht hatte!

Dieses Beispiel führt uns jetzt auf eine andere Krise, die ich für die einzige echte Krise halte, die es gibt:

Die „Geldkrise“

Die Geldkrise besteht darin, dass es nie genug Geld für alle geben kann.

Auch wenn es für alle Menschen Geld im Überfluss geben würde und wenn alle Menschen den gleichen Betrag an Geld zu ihrer persönlichen Verwendung zur Verfügung hätten, so könnte es dennoch passieren, dass es ein einziger schafft, noch mehr Geld zu haben als alle anderen. Sofort würden aber zumindest einige von diesen genau so viel Geld haben wollen, wie der „Reiche“ und sofort wäre wieder eine allgemeine Geldverknappung eingetreten, weil es natürlich nichts bringen würde, einfach mehr Geld zu drucken. Das Geld ist nur ein abstraktes Maß für sämtliche verfügbaren knappen Güter und kann somit nicht beliebig vermehrt werden. Das gleiche gilt auch für das „Verdienen von Geld“: ein Einkommen zu erzielen ohne irgend eine reale Leistung dafür zu erbringen, ist rein physikalisch nicht möglich. Also auch kein Spekulationsgewinn durch Investieren von geborgtem Geld. Es kann sich dabei immer nur um ein Nullsummenspiel handeln, bei dem der eine Spieler (Spekulant) genau so viel gewinnt, wie ein anderer verliert. Wenn eine ganze Wirtschaftsnation versucht, auf diesem Weg zu Reichtum zu kommen, kann das Resultat nur eine globale Wirtschaftskrise sein.

Somit steht fest: die Geldkrise, also die Krise die darin besteht, dass zu wenig Geld vorhanden ist und dass dieses Geld auch noch je knapper es ist, umso ungleicher verteilt wird, kann niemals gelöst werden und wird somit ewige Zeiten fortbestehen. Es ist eine sehr alte Erfahrung: in Zeiten der Not leiden vor allem die Armen, die Reichen behalten oder vermehren sogar ihren Reichtum. Die Ungleichheit der Verteilung nimmt also nicht ab sondern zu. Länder mit besonders niedrigem Einkommensniveau oder hoher Staatsverschuldung, wofür es ja ein aktuelles Musterbeispiel in Europa gibt, sind auch durch eine besonders hohe Korruption, also durch das allgemeine Bestreben ohne echte Gegenleistung Einkommen zu erzielen, gekennzeichnet.

Der „Konsumterror“ ist eine typische Begleiterscheinung (aber nicht Ursache). Er besteht darin, dass den Leuten von der Werbung ständig neue Produkte vorgestellt werden, und zugleich suggeriert wird, dass ein Dasein ohne diese Produkte nicht befriedigend sei. So bekommt jeder das Gefühl, dass ihm etwas fehlt, wenn er sich dieses Produkt nicht leisten kann. Damit wird die Geldkrise ganz wesentlich angeheizt und verschärft. Jeder Mensch, der nicht zu den wenigen “Reichen” gehört, wird behaupten, dass das vorhandene Geld ungerecht verteilt ist. Aber wie bereits oben ausgeführt, kann es keine gleiche Verteilung von Geld und somit auch keine gerechte Verteilung geben. Die Geldkrise wird also durch eine prinzipiell nicht vermeidbare Ungerechtigkeit des Daseins verursacht. Die einzigen Sozialsysteme mit gerechter Verteilung sind jene Naturvölker in denen es keinerlei privates Eigentum gab, in denen die gesamte Natur und alle menschlichen Produkte der gesamten Gemeinschaft gehörten. Aber sogar diese aus relativ wenigen Individuen bestehenden Systeme kommen nicht ohne soziale Rangordnung aus. Sobald daraus größere Sozialverbände entstehen, ist es mit der gerechten Verteilung zu Ende, es gibt Untertanen und fast allmächtige Herrscher.

Die Geldkrise ist daher die einzige echte Krise, die es gibt. Alle übrigen Beispiele sind entweder nur eingebildete, künstlich herbeigeredete, oder zumindest durch geeignete Gegenmaßnahmen irgendwann lösbare Krisen. Krisen werden auch durch das Kanalisieren von latenten Ängsten erzeugt. Krisen, deren letzte Ursache die Dummheit ist, sind zwar scheinbar echte Krisen, können aber meistens nach sehr langer Zeit dadurch gelöst werden, dass es eine allgemeine Zunahme der Vernunft und Erkenntnis gibt. Beispiel dafür ist die Krise des Hexenwesens und der Hexenverfolgung, die durch die Erkenntnis gelöst wurde, dass es gar keine Hexen gab, sondern dass alle bei den Hexen beobachteten „übernatürlichen“ Erscheinungen irgend eine natürliche, medizinisch oder naturwissenschaftlich erklärbare Ursache hatten.

P.S.: Ich wäre für Kommentare, Kritik, Ergänzungen, Anmerkungen oder Gegenthesen sehr dankbar.

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